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Warum fällt es Erwachsenen so schwer, einfach loszulassen?

  • joanaacuna
  • vor 18 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Wann hast du das letzte Mal etwas getan, einfach weil es sich gut angefühlt hat?

Nicht, weil es produktiv war.Nicht, weil es auf deiner To-do-Liste stand.Nicht, weil jemand etwas von dir erwartet hat.

Sondern einfach nur aus Freude.

Für viele Erwachsene ist diese Frage überraschend schwer zu beantworten.

Als Kinder konnten wir stundenlang tanzen, spielen, lachen oder uns in Fantasiewelten verlieren. Wir mussten nicht darüber nachdenken, wie wir dabei wirken. Es war selbstverständlich, uns auszudrücken.

Irgendwann hat sich das verändert.

Wir lernen früh, uns anzupassen

Schon in der Schule wird vieles bewertet. Es gibt richtige und falsche Antworten, Noten, Vergleiche und Erwartungen. Später kommen Beruf, Verantwortung und gesellschaftliche Rollen hinzu.

Nach und nach lernen wir, uns anzupassen.

Wir überlegen, was andere denken könnten.Wir kontrollieren unser Verhalten.Wir möchten funktionieren.

Das ist nichts Schlechtes – unsere Fähigkeit, uns an unsere Umwelt anzupassen, hilft uns im Alltag. Doch manchmal geschieht das so lange, dass wir den Kontakt zu unserer Spontaneität verlieren.

Der innere Kritiker wird lauter

Viele Erwachsene kennen diese Gedanken:

"Was denken die anderen?"

"Ich bin nicht musikalisch."

"Ich kann nicht tanzen."

"Das sieht bestimmt komisch aus."

Diese Stimme begleitet uns oft, ohne dass wir sie bewusst wahrnehmen.

Psychologinnen und Psychologen sprechen vom inneren Kritiker – dem Teil in uns, der uns vor Ablehnung schützen möchte.

Die Absicht dahinter ist gut.

Doch gleichzeitig hält uns dieser innere Kritiker häufig davon ab, neue Erfahrungen zu machen oder uns frei auszudrücken.

Unser Körper erinnert sich an Freiheit

Obwohl unser Kopf vieles kontrollieren möchte, trägt unser Körper eine andere Erinnerung in sich.

Wenn ein Lieblingslied läuft, beginnen manche Menschen ganz automatisch mitzuwippen.

Kinder reagieren fast immer unmittelbar auf Musik.

Auch Erwachsene spüren oft diesen ersten Impuls – bevor der Kopf eingreift und sagt:

"Lass das lieber."

Unser Körper scheint sich daran zu erinnern, wie sich Freiheit anfühlt.

Loslassen bedeutet nicht, die Kontrolle zu verlieren

Viele Menschen verbinden Loslassen mit Kontrollverlust.

Dabei bedeutet Loslassen oft genau das Gegenteil.

Es bedeutet, für einen Moment nicht alles steuern zu müssen.

Nicht perfekt sein zu müssen.

Nicht ständig funktionieren zu müssen.

Loslassen heißt, dem eigenen Erleben wieder mehr Raum zu geben.

Es ist ein bewusster Schritt zurück ins Hier und Jetzt.

Warum uns das heute besonders schwerfällt

Unsere Welt ist schneller geworden.

Benachrichtigungen.Termine.Leistungsdruck.Vergleiche in sozialen Medien.Ständige Erreichbarkeit.

Unser Gehirn verarbeitet täglich unzählige Reize. Viele Menschen haben verlernt, einfach nur im Moment zu sein.

Kein Wunder also, dass sich freies Tanzen, Singen oder Spielen für manche zunächst ungewohnt anfühlt.

Es widerspricht dem Modus, in dem wir die meiste Zeit unseres Alltags verbringen.

Der erste Schritt ist oft der schwerste

Fast alle Menschen, die zum ersten Mal einen Raum betreten, in dem frei getanzt wird, berichten von ähnlichen Gedanken.

"Wie bewege ich mich?"

"Was ist, wenn mich jemand anschaut?"

"Bin ich hier richtig?"

Und dann passiert häufig etwas Überraschendes.

Nach einigen Minuten wird die Musik wichtiger als die Gedanken.

Der Atem wird ruhiger.

Der Körper beginnt, eigene Bewegungen zu finden.

Nicht perfekt.

Nicht spektakulär.

Sondern echt.

Freiheit beginnt oft mit einem kleinen Moment

Loslassen geschieht selten auf Knopfdruck.

Es beginnt meist ganz leise.

Mit einem Atemzug.

Mit einem geschlossenen Augenblick.

Mit einer kleinen Bewegung.

Mit der Entscheidung, sich selbst für einen Moment weniger zu bewerten.

Vielleicht geht es beim Loslassen gar nicht darum, jemand anderes zu werden.

Vielleicht geht es vielmehr darum, wieder Zugang zu dem Menschen zu finden, der schon immer in uns war.

Ein geschützter Raum zum Ausprobieren

Beim Ecstatic Dance gibt es keine Choreografien, keine Schritte, die du lernen musst, und keine Erwartungen daran, wie du dich bewegen solltest.

Du darfst einfach da sein.

Mit allem, was du gerade mitbringst.

Manchmal beginnt Freiheit nicht mit einem großen Sprung.

Sondern mit der Erlaubnis, den ersten kleinen Schritt zu machen.

Vielleicht ist genau das der Moment, in dem Loslassen wieder möglich wird.

 
 
 

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